Ist Software-Engineering tot? Machen wir jetzt nur noch Vibe-Coding und die KI übernimmt?
Klare Antwort – NEIN!
Vibe-Coding ist – wie der Name schon sagt – Coding und eben nicht „Engineering“. Und damit auch nur ein (sehr) kleiner Teil der Software-Entwicklung. Das wird häufig leider falsch eingeschätzt. Denn wer vernünftige Software entwickeln will, braucht
• Requirements-Engineering
• eine Spezifikation / einen Plan
• die Umsetzung (hier wird tatsächlich entwickelt und Code produziert)
• Qualitätssicherung
• den Betrieb (inkl. Infrastruktur, Skalierung, usw)
• Release- und Support-Management
Mindestens das gehört zum Software-Engineering. Das muss nicht immer super formal sein, aber die einzelnen Schritte sind durchaus logisch und sinnvoll.
Natürlich kann KI in all diesen Bereichen unterstützen. Am Weitesten sind wir hier im Bereich Qualitätssicherung, denn da wirkt KI wahre Wunder (Cybersecurity, Schwachstellenanalyse, Testcases > phänomenal). Die Umsetzung z.B. mit Vibe-Coding nimmt stark Fahrt auf, hat aber (noch) mit denselben Problemen zu kämpfen, die wir im Coding schon immer hatten: den Requirements.
Denn hier gilt (mit oder ohne Vibe-Coding) die alte Regel: shit in > shit out.
Coding kann immer nur so gut sein, wie der Input, den wir liefern. Funktional, nicht-funktional, strategisch und operativ. Und für die Requirements braucht man Menschen (was ne gute Sache ist). Sind die sauber (also die Requirements, nicht die Menschen), dann lässt sich daraus ein guter Plan / eine Spezifikation ableiten (durchaus KI-basiert) und auch ein passendes Betriebskonzept, dessen Umsetzung dann ebenfalls wieder mit Hilfe von KI erfolgen kann (auch mit Vibe-Coding). Am Ende der Kette braucht’s dann wieder den Menschen, sowohl als Kunden, weil er Features in neuen Releases verstehen muss – als auch als Manager, weil er strategisch und operativ entscheiden muss, welche Funktionen wann bereitgestellt werden.
Ja, und dann kommt noch der Lifecycle mit dazu. Software entwickelt sich weiter – durch Features (ok, selber schuld), aber auch durch äußere Umstände (Updates von Drittkomponenten, Betriebssystemen, Infrastruktur, neue Standards, Hardware, u.v.m.). Derzeit können KI-Systeme das noch nicht komplett „zusammen halten“ und solange wir Software so betreiben, wie wir es aktuell tun, wird das auch immer schwierig bleiben.
Deswegen ist Software-Engineering heute sogar viel wichtiger als vorher. Ein großer (Problem)bereich von früher (das eigentliche Coding) wird KI-gestützt immer einfacher und besser – der Rest wird aber umso wichtiger, denn auch die KI braucht Requirements und soll am Ende stabile Anwendungen liefern.
Meiner Meinung nach ist Software-Engineering daher kein Auslauf-Modell, sondern eigentlich fast schon ein „Future Skill“. Demnächst mehr dazu.
