Scheitern mit Ansage

Ich packe mal kurz den Nerd zur Seite und den Hobby-Psychologen aus. Denn einiges, was ich in den letzten Monaten mehr und mehr beobachte lässt sich nicht mit IT-Kenntnissen alleine beschreiben.

Die Stimmung, die man gerade in vielen Projekten wahrnimmt, ist bedenklich. Vielleicht liegt’s am Sommer, an der geopolitischen Situation / Unsicherheit, an der Wirtschaftslage… Vielleicht liegt’s an mir, dass ich komischerweise immer zu einer bestimmten Art Projekt dazugeholt werde. Wer weiß das schon so genau.

Aber: ich nehme immer häufiger wahr, dass man Dinge tut, obwohl man weiß, dass es am Ende Ärger geben kann (und wird). Das verrückte: es ist allen klar, man ist sich des Risikos bewusst und trotzdem machen alle mit. Geht halt grad nicht anders. Müssen wir durch. Zu spät dran, lässt sich nicht mehr reparieren. Termin steht. Wurde früher mal so vereinbart. War vor meiner Zeit. Usw. usw.

Ein Scheitern mit Ansage!

Vielleicht in der Hoffnung, dass man – bis es dann wirklich kracht – nicht mehr im Projekt ist, ein anderer den Kopf hinhält, vielleicht alles doch nicht so schlimm wird, oder es an einer anderen Seite noch sooooo viel schlimmer geworden ist, dass das eigene Thema gar nicht mehr ins Gewicht fällt.

Dann gibt es diejenigen, die den Mut haben, etwas zu ändern (und ich feiere euch jeden Tag und jedes Mal) und die Dinge „richtig“ zu machen. Die werden allerdings oft aufgerieben und kommen trotz aller guten und wichtigen Argumente nicht durch. Management-Entscheidung heißt es dann. Strategisch so gewollt. Oder auf deutsch / bayerisch: Ober sticht Unter.

Klar – man sieht nie das ganze Bild aus all seinen verschiedenen Perspektiven. Und – auch klar – Verantwortliche müssen oft viel mehr Bälle in der Luft halten, als das, was man aus einem Projektkontext heraus wahrnimmt. Da sind 3 oder 4 Millionen und ein Projekt das scheitert, vielleicht wirklich total egal. Auch das müssen wir respektieren und berücksichtigen. (P.S.: es wäre nur schön, sowas dann auch zu wissen, dann könnte man das ja mit reindenken….)

Trotzdem glaube ich, dass oftmals eine gewisse Bequemlichkeit, wenn nicht sogar Resignation vorherrscht. Und dass die, die Anpacken wollen häufig ausgebremst werden.

Ich wünsche mir daher mehr Offenheit was potenzielle Probleme betrifft (stop greenwashing), mehr Transparenz (paint the big picture) und mehr Mut (let’s do it), die Dinge nachhaltig und richtig zu machen.

Und ich hoffe, dieser Wunsch ist nicht aus der Zeit gefallen.

#informatikersindcool


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Veröffentlicht am 27.07.2026 08:40