Forschungsarbeiten mit KI – was geht und was nicht

Sorry. Ich nochmal. Und ich nochmal zu KI. Hilft grad nicht…. Aber ich stolpere (mittlerweile sogar hier auf LinkedIn) immer wieder über sogenannte „Forschungsarbeiten“, wissenschaftlich aussehende Paper, die hochtrabend formuliert, sehr gut und strukturiert aufgebaut und angeblich „in Veröffentlichung“ sind.

Und ich ärgere mich zutiefst, wie hier gute wissenschaftliche Arbeit verunglimpft wird (natürlich nicht überall, viele Arbeiten sind auch gut. Aber leider passiert das immer öfter). Und das ist ein Problem. Viele scheinen sich durch wissenschaftlich aussehende Veröffentlichungen profilieren zu wollen, übersehen dabei aber, wie schädlich und gefährlich das ist.

1. Seltsam ist es bspw. schon, wenn ein Paper nur von einem einzigen Autoren veröffentlicht wird. Meistens ist bei „echten“ wissenschaftlichen Arbeiten immer ein Doktorand, Postdoc oder Prof mit beteiligt. Arbeiten, wie Doktorarbeiten oder Habilitationen sind natürlich immer „alleine“, der Rest ist aber fast immer Team-Arbeit. Ein Haupt-Autor und mehrere Co-Autoren.

2. Ich erwarte von jedem Forschenden, dass er KI einsetzt. Ich erwarte, dass Papers besser werden, keine Rechtschreibfehler drin sind, dass die Methodik sauber ist und solide Quellenarbeit durchgeführt wurde. Da kann KI sehr hilfreich sein.

3. Wissenschaftliche Papers werden im Zuge der Veröffentlichung immer einem Peer-Review-Prozess unterzogen. Zunächst intern die Co-Autoren, dann aber auch die Konferenz oder das Journal, bei dem man das Paper einreicht. Häufig findet das anonymisiert durch 3-4 Experten statt. Erst wenn alle das Paper akzeptieren, wird’s veröffentlicht. Genau das soll die Integrität von Forschung sichern. Vorab-Veröffentlichungen sind also oft wertlos und geben lediglich ne Indikation. Erst was wirklich veröffentlicht ist, es Wissenschaft.

4. Leider gibt es aber auch bei den Reviewern „Experten“, die KI zum Peer-Review einsetzen (eigentlich ein komplettes No-Go). Das Problem ist, dass Konferenzen oder Journals mit KI-generiertem Müll überschwemmt werden und ein fundiertes Review eben mal nicht so „nebenbei“ zu machen ist. Ich brauche teilweise 6-8 Stunden, um ein Paper auf Herz und Nieren zu prüfen. Ne KI braucht 30 Minuten, um eins zu schreiben. Läuft.

5. Papers, die keine Belege, Beweise, Daten oder Fakten enthalten, die keinen Praxisbezug demonstrieren, keine Experimente oder Studien durchgeführt haben, sind wertlos. Behaupten kann man alles, man muss es aber auch belegen und überprüfen können.

Ich rate jedem Forschenden: nutzen Sie KI als Hilfsmittel, Assistent, zur Unterstützung, zum Schreiben, zum Recherchieren. Nutzen Sie KI, um besser zu werden, fundierter zu arbeiten, tiefer in das Thema einzutauchen.

Aber nutzen Sie KI nicht (!), um schneller Veröffentlichungen zu produzieren. Damit verschwenden Sie meine / unsere Zeit und untergraben das, was gute Forschung ausmacht.

So – das musste mal raus. Wie gesagt – sorry dafür.