„Wissen in Bewegung“ – das Nähkästchen in Hannover

Vor zwei Wochen durfte ich zum Jubiläum der Dr. Buhmann Schule gGmbH eine Keynote halten. Das Thema war „Irgendwas mit KI“ (kein Scherz, haben wir wirklich so genannt). Wunderbarer Rahmen im GOP Hannover, tolle Gäste, fantastischer Rahmen – Glückwunsch zu der Veranstaltung!

Aber darum geht’s grad nicht. Also… es geht natürlich auch darum und die Glückwünsche sind absolut ernst gemeint. Der Abend war ein absolutes Highlight für mich.

Nur…. als ich reinkam stand da der große Claim der Schule: „Wissen in Bewegung“. Und da ging kurzzeitig der Informatiker in mir mit mir durch. Und ich hab‘ ca. 2 Stunden mit mir gerungen, den Vortrag spontan zu einem ganz anderen aber genau so wichtigen Thema zu halten – nämlich zur Informationstheorie….

Denn „Wissen in Bewegung“ hat mich an den berühmten Satz von Rainer Kuhlen erinnert, der den Ausdruck „Information ist Wissen in Aktion“ erfunden und geprägt hat. Es geht um die fast philosophische Frage, wann aus Information Wissen wird, wann und wie also aus einer Zeichenkette mit bestimmten Buchstaben auf einmal im Kopf ein dazu passendes Bild entsteht. Und Kuhlen hat seinerzeit beschrieben, dass es dafür immer einen Trigger – eine Aktion – braucht, um aus Information echtes „Wissen“ zu machen.

Boah, was wäre das für ein Aufhänger gewesen. Wie toll hätte man da das Thema der Schule mit einem Vortrag aufgreifen und verbinden können.

Man hätte den tollen Widerspruch herausarbeiten können, dass Kuhlen einer der wenigen ist, die Information als Teilmenge von Wissen definieren. Die meisten machen das nämlich eher andersrum. Man hätte auf das Informationsbedürfnis abzielen können, das die Grundlage für Prozesse im Wissensmanagement und der Informationstheorie ist, und das uns gerade in unserer heutigen Gesellschaft so sehr prägt. Man hätte sogar den „anomalous state of knowledge“ von Belkin erklären können, der die Wissenslücke als etwas anomales, etwas seltsames beschreibt, was unbedingt aufgelöst werden möchte. Genau genommen beschreibt er damit etwas, was nicht da ist (eine Lücke), auch lustig. Ach Gott, wäre das cool gewesen…. denn auch wenn’s total schräg klingt: ich steh auf so ein Zeug. Und schraube das gerne jedem rein, der sich grad nicht wehren kann (so wie Sie jetzt gerade).

…. und wie schnell wäre man damit in sehr nerdige Gefilde abgedriftet und hätte das Publikum verloren (lach). Zum Glück konnte ich mich beim Riemen reißen und hab dann doch „Irgenwas mit KI“ erzählt.

Dennoch wollte ich diesen inneren Kampf mal aus dem Nähkästchen geplaudert mit Ihnen teilen….

#informatikersindcool

Danke nochmal an die Dr. Buhmann Schule gGmbH und an Prof. Dr. Matthias Limbach für die Einladung und herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!